| Trommeln, Rasseln, kleine Flöten... | ||
Den Jungen in diesem Zimmer kenne ich. Wir haben schon einige Stunden Musiktherapie miteinander verbracht. Er ist von seinem Wesen her ein aufgeweckter und neugieriger Junge, probiert gerne die Instrumente und spielt phantasievoll. Am Morgen dieses Tages verabreden wir eine Therapiezeit, so gegen 11:30 Uhr. Vorher ist noch Physiotherapie. Als ich mittags in sein Zimmer komme, liegt er im Bett und die Mutter schaut mich bekümmert an. In kurzer Zeit ist das Fieber gestiegen. Er öffnet die Augen und will trotzdem Musik machen. Ich schlage vor, ihm etwas vorzuspielen, er brauche nur zuzuhören. Er stimmt zu und ich wähle das Glockenspiel, weil er es in den vorangegangenen Stunden besonders mochte. | ![]() |
Leise beginne ich zu spielen, auch um die Situation nicht zu stören und eine Atmosphäre der Entspannung zu fördern. Nach einigen Tönen beginnt er zu lächeln und sagt: „das klingt wie Schneeflocken. So, wie wenn kleine Schneeflocken fallen.“ Mit geschlossenen Augen lauscht er der Musik. Vielleicht spürt er in seiner Phantasie die Kühle der Schneeflocken in seinem Fieber. Sachte gleitet er in den Schlaf über. Ich schleiche mich aus dem Zimmer.
Diese und andere Szenen erlebe ich als Musiktherapeutin auf der Kinder-Krebsstation täglich. Dabei sind die Therapiestunden so vielfältig und einfallsreich, wie die Persönlichkeit eines jeden einzelnen erkrankten Kindes oder Jugendlichen. Nach Begrüßungen und kurzen Gesprächen am Bett oder mit Eltern auf dem Flur, treffe ich „Verabredungen“. Verlässliche Termine helfen, Struktur in den Tagesablauf der Kinder zu bringen. Dann nehme ich die Instrumente in einer Tasche mit ans Bett. Trommeln, Rasseln, kleine Flöten, aber auch weniger bekannte Instrumente, wie z. B. das Daumenklavier, werden zum Klingen gebracht. Wenn die Infusionsgeräte nicht alarmieren und andere Störfaktoren ausgeschlossen sind, kann Musik entstehen. Der Inhalt der Musiktherapie-Stunde (in der Regel 45 Minuten) hängt überwiegend von den Bedürfnissen und Ideen des Kindes bzw. Jugendlichen ab. Dabei wird gespielt und improvisiert, es werden Geschichten erfunden, bekannte Lieder gesungen oder auch mal ein Griff auf der Gitarre gelernt. So kann dem Erleben von Hilflosigkeit durch die Krankheit eine spielerische Aktivität entgegengesetzt werden, der Prozess der Krankheitsbewältigung wird therapeutisch begleitet und positiv beeinflusst.
Julia Scholtz
Diplom-Musiktherapeutin (FH)
seit Juli 2006 im Sonnenstrahl e. V. angestellt
im Mai 2007: Einrichtung einer drittmittelfinanzierten Musiktherapiestelle am Universitätsklinikum „Carl Gustav Carus“ Dresden
(hälftige Finanzierung durch den Sonnenstrahl e. V. und Kinderhilfe Dresden e. V.)
Montag & Mittwoch Station KiK S2
Dienstag & Donnerstag Station KiK S7
Freitag ambulante Patienten in der Villa Sonnenstrahl und nach Absprache




